Seit Jahrhunderten wurde der sogenannte „Treibhauseffekt“ – und damit die Funktionsweise eines Treibhauses (also eines Gewächshauses) – immer wieder so erklärt:
Strahlung von der Sonne durchdringt weitestgehend ungehindert Glasscheiben.
Sie trifft dann auf Oberflächen, welche diese Strahlung teilweise absorbieren.
Diese Oberflächen erhalten also Energie und werden dadurch erwärmt.
Diese Energie wird anschließend überwiegend per Wärmestrahlung wieder abgegeben.
Diese Wärmestrahlung kann aber nicht durch die Glasscheiben entweichen, ist also im Treibhaus gefangen, erhöht somit die Energie im Treibhaus immer weiter und damit auch die Temperatur.
Ein Treibaus sollte demnach also eine Strahlungsfalle sein.
In einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1822 übertrug Jean-Baptiste Fourier (wohl als erster) diese falsche Annahme von der Wirkungsweise eines Treibhauses auf die Atmosphäre, wobei die Luft als solche die Wirkung vom Glas übernehmen sollte. Experimentell widerlegt wurde diese Annahme allerdings schon etwa 40 Jahre vorher von Horace-Bénédict de Saussure. Fourier weist in seinem Werk sogar selbst darauf hin, von seinen Nachfolgern wird dies aber in der Regel geflissentlich ignoriert.
1859 veröffentlichte John Tyndall seine „Note on the Transmission of Radiant Heat through Gaseous Bodies“ („Anmerkung zur Übertragung von Strahlungswärme durch gasförmige Körper“), in der er auf von ihm durchgeführte Messungen hinweist, welche ergeben, wie stark verschiedene Gase Strahlungswärme aus unterschiedlichen Strahlungsquellen absorbieren.
Diese Erkenntnis wiederum wurde von Svante Arrhenius aufgegriffen, der 1896 im „Bihang till K. Svenska Vt.-Akad. Hanlingar, Band 22 Afd. I. N:o 1“ (sinngemäß: „Anhang zu den Schriften der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften, Band 22, Abteilung I, Nummer 1“) einen Artikel mit dem Titel „Ueber den Einfluss des atmosphärischen Kohlensäuregehalts auf die Temperatur der Erdoberfläche“ veröffentlichte. Arrhenius beruft sich in der Einleitung zwar unter anderem auch auf Fourier, dessen Aussage zu de Saussure kannte er aber entweder nicht, oder er hat sie (wie so vieles andere, was nicht zu seiner These passte) ignoriert.
Schon im Jahre 1909 führte Robert Williams Wood wohl auch als Reaktion auf Arrhenius einen Versuch durch, mit dem er den Treibhauseffekt ein weiteres mal (nach de Saussure) experimentell widerlegte.
29 Jahre später, also 1938, hat Guy Stewart Callendar die Erzählung von der Strahlungsfalle allerdings wieder ausgegraben. Dieser (laut eigener Angabe) Dampftechnologe bei der British Electrical and Allied Industries Research Association konnte in seinem Werk „The artificial production of carbon dioxide and its influence on temperature“ („Die künstliche Erzeugung von Kohlendioxid und ihr Einfluss auf die Temperatur“) angeblich sicher ermitteln, dass die mittlere globale oberflächennahe Lufttemperatur 1934 um exakt 0,49 °C höher war als 1885. Dazu genügten ihm die Wetterdaten von lediglich 147 Wetterstationen „nach einer sorgfältigeren Eliminierung aller zweifelhaften Datensätze“, von denen sich nur 26 in der südlichen gemäßigten Zone und keine in den polaren Regionen befanden. Ähnlich ging er mit den zahlreichen Aufzeichnungen der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre um. Denn von diesen war nach seiner Überzeugung nur eine einzige glaubwürdig, nämlich die, welche als einzige im von ihm betrachteten Zeitraum eine Zunahme der CO₂-Konzentration feststellte:
„Ich habe einen sehr genauen Satz von Beobachtungen (Brown und Escombe, 1905) untersucht, die etwa um das Jahr 1900 aufgenommen wurden, über die Menge an Kohlendioxid in der freien Luft, in Beziehung zu den Wetterkarten dieser Periode. Aus ihnen schloss ich, dass die Menge an Kohlendioxid in der freien Luft der nordatlantischen Region zu Beginn dieses Jahrhunderts 2,74 ± 0,05 Teile pro 10.000 nach dem Volumen trockener Luft betrug.“
Original
„I have examined a very accurate set of observations (Brown and Escombc, 1905), taken about the year 1900, on the amount of carbon dioxide in the free air, in relation to the weather maps of the period. From them I concluded that the amount of carbon dioxide in the free air of the North Atlantic region, at the beginning of this century, was 2˙74 ± 0˙05 parts in 10,000 by volume of dry air.“
In den folgenden Jahren fanden offenbar immer mehr Politiker, Industrielle und Wissenschaftler Gefallen an dem Potential, das sich aus diesem Wiedergänger gewinnen ließ und so wurde die Geschichte vom Treibhaus Erde zunehmend zum Selbstläufer.
Obwohl es sich längst auch bis zu den Klimawissenschaftlern herumgesprochen hatte, dass ein Treibhaus keine Strahlungsfalle ist, konnte man noch im WGI des AR5 aus dem Jahr 2013 auf Seite 126 lesen:
„Das Klimasystem der Erde wird von der Sonnenstrahlung angetrieben (Abbildung 1.1). Ungefähr die Hälfte der Energie der Sonne wird im sichtbaren Teil des elektromagnetischen Spektrums bereitgestellt. Da die Temperatur der Erde über viele Jahrhunderte hinweg relativ konstant war, müssen die eintreffende Sonnenenergie und die ausgehende Strahlung nahezu im Gleichgewicht sein. Von der eintreffenden kurzwelligen Sonnenstrahlung wird etwa die Hälfte von der Erdoberfläche absorbiert. Der Anteil der kurzwelligen Strahlung, der durch Gase und Aerosole, Wolken und durch die Erdoberfläche (Albedo) in den Weltraum zurückreflektiert wird, beträgt ungefähr 30 %, und etwa 20 % wird in der Atmosphäre absorbiert. Aufgrund der Temperatur der Erdoberfläche liegt der Großteil des ausgehenden Energieflusses von der Erde im infraroten Teil des Spektrums. Die langwellige Strahlung (auch als Infrarotstrahlung oder IR-Strahlung bezeichnet), die von der Erdoberfläche abgestrahlt wird, wird weitgehend von bestimmten atmosphärischen Bestandteilen – Wasserdampf, Kohlendioxid (CO₂), Methan (CH₄), Distickstoffoxid (N₂O) und anderen Treibhausgasen (THGe); siehe Glossar in Anhang III – und von Wolken absorbiert, die ihrerseits IR-Strahlung in alle Richtungen emittieren. Die nach unten gerichtete Komponente dieser IR-Strahlung fügt den unteren Schichten der Atmosphäre und der Erdoberfläche Wärme zu (Treibhauseffekt). Der dominante Energieverlust der infraroten Strahlung von der Erde erfolgt aus höheren Schichten der Troposphäre. Die Sonne liefert ihre Energie der Erde hauptsächlich in den Tropen und Subtropen; diese Energie wird dann teilweise durch atmosphärische und ozeanische Transportprozesse in mittlere und hohe Breiten umverteilt.“
Original
„The Earth’s climate system is powered by solar radiation (Figure 1.1). Approximately half of the energy from the Sun is supplied in the visible part of the electromagnetic spectrum. As the Earth’s temperature has been relatively constant over many centuries, the incoming solar energy must be nearly in balance with outgoing radiation. Of the incoming solar shortwave radiation (SWR), about half is absorbed by the Earth’s surface. The fraction of SWR reflected back to space by gases and aerosols, clouds and by the Earth’s surface (albedo) is approximately 30%, and about 20% is absorbed in the atmosphere. Based on the temperature of the Earth’s surface the majority of the outgoing energy flux from the Earth is in the infrared part of the spectrum. The longwave radiation (LWR, also referred to as infrared radiation) emitted from the Earth’s surface is largely absorbed by certain atmospheric constituents—water vapour, carbon dioxide (CO₂), methane (CH₄), nitrous oxide (N₂O) and other greenhouse gases (GHGs); see Annex III for Glossary—and clouds, which themselves emit LWR into all directions. The downward directed component of this LWR adds heat to the lower layers of the atmosphere and to the Earth’s surface (greenhouse effect). The dominant energy loss of the infrared radiation from the Earth is from higher layers of the troposphere. The Sun provides its energy to the Earth primarily in the tropics and the subtropics; this energy is then partially redistributed to middle and high latitudes by atmospheric and oceanic transport processes.“
Der Meteorologe Karsten Schwanke hat daraus einen siebenminütigen Vortrag für „Wetter vor acht“ vom 16. Dezember 2019 gemacht.
Von Herrn Schwanke wird also eine Strahlungsfalle beschrieben, die zwar Strahlung hinein aber nicht wieder hinaus lässt. Folgende Fragen werden in diesem Video aber nicht beantwortet:
Warum ergibt „es kommt eine bestimmte Menge rein, eine bestimmte Menge geht raus“ grundsätzlich ein „Strahlungsgleichgewicht“?
Wie entstehen bei einem „Strahlungsgleichgewicht“ die täglichen und jahreszeitlichen Temperaturänderungen?
Wie werden die genannten -18 °C konkret „sehr genau“ berechnet?
Warum sagt er, dass in einem Treibhaus eine Glasschicht „irgendwie die Wärme festhält“ statt einfach das dort stattfindende Einsperren der erwärmten Luft anzusprechen?
Wenn gilt: „Etliches von der Wärmestrahlung der Erde geht am CO₂ vorbei, ohne dass es irgend eine Interaktion gibt“, wie viel Prozent der von der Erde abgegebenen Wärmestrahlung liegt dann überhaupt im genannten Bereich der Wellenlänge von 15 µm? Oder alternativ gefragt: Wie viel Prozent der von der Erde abgegebenen Wärmestrahlung ist denn die Hälfte der bei 15 µm vom CO₂ absorbierten Wärmestrahlung, die anschließend Richtung Erde re-emittiert wird? Später wird zwar „nebenbei gesagt“: „Das ist der Bereich, wo die Erde am meisten abstrahlt.“ Aber das sagt leiter quantitativ nichts aus. Denn wenn von 99 Leuten 98 einen Apfel bekommen und einer zwei Äpfel bekommt, dann ist dieser eine zwar, nebenbei gesagt, derjenige, der die meisten Äpfel bekommen hat, aber trotzdem hat er dann nur 2 % aller Äpfel erhalten.
Warum gilt: „Das erwärmt natürlich dann noch einmal die Erdoberfläche“? Also warum gilt für die behauptete zusätzliche Erwärmung durch die zurückgestrahlte Energie nicht der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik¹⁾? Oder anders gefragt: Warum kann man mit der Strahlung von Eis selbst dann nicht Wasser zum Kochen bringen, wenn das Eis in riesiger Menge vorhanden ist und es sich nur um sehr wenig Wasser handelt?
Wenn die Atmosphäre als Strahlungsfalle funktioniert, wie gelingt es der so eingefangenen Strahlung schließlich doch, dieser Falle irgendwann zu entkommen, so dass keine unbegrenzte Ansammlung von Energie verursacht wird?
Die Behauptung, dass der Unterschied zwischen den +15 °C „auf der Erdoberfläche“²⁾ und den -18 °C „irgendwo in der Atmosphäre“ der Treibhauseffekt sei, ist dagegen offensichtlich grober Unfug. Denn diese -18 °C entstehen durch den abnehmenden Druck mit zunehmender Höhe, da bei Gasen die Temperatur vom Energiegehalt und dem Druck abhängt: Nimmt der Druck bei gleichem Energiegehalt („adiabatisch“) ab, sinkt die Temperatur. Deshalb wird die abnehmende Temperatur bei zunehmender Höhe auch als „barometrischer Temperaturgradient“ bzw. „adiabatischer Temperaturgradient“ bezeichnet. Die -18 °C sind zudem nicht das Ende dieser Wirkung, sondern mit weiter zunehmender Höhe sinkt die Temperatur noch weiter. Die Höhe, in der diese Temperatur vorliegt, wurde also schlicht von Herrn Schwanke passend zur Argumentation gewählt. Genausogut hätte er stattdessen z. B. auch von eine Höhe mit -9 °C oder -36 °C erwähnen können.
Erst deutlich später wird der Abstand dieser Schicht von der Erdoberfläche eingeblendet: 5 km. Da im Mittel die Temperatur pro 100 m Höhenunterschied um 0,65 °C abnimmt, also um 6,5 °C pro km, kann man rechnen:
15 °C - 5 km · 6,5 °C/km = -17,5 °C
und das ganz ohne Treibhauseffekt. Die eben erwähnten -9 °C würde man also in 3,7 km Höhe und die -36 °C in 7,8 km Höhe finden.
Ebenfalls offensichtlich physikalischer Unfug ist sein Erklärungsversuch des „zusätzlichen Treibhauseffekts“. Denn egal wie viele Daunendecken man auf eine Wärmequelle (z. B. eine Wärmflasche) legt, wird dadurch nie die Temperatur der Wärmequelle selbst erhöht. Denn für eine Temperaturerhöhung ist zusätzliche Energie notwendig. Dämmung ist aber keine Energiequelle, sondern lediglich die Reduktion von Energieverlust. Der Energieverlust der Erde wird aber laut seiner eigenen Erklärung nicht reduziert: „Die Erde strahlt weiterhin mit ihrer Gleichgewichtstemperatur von -18 °C“. Folglich ist bereits die behauptete Analogie zwischen Treibhauseffekt und Daunendecken falsch.
Das sind alles offensichtliche Fehler, die insbesondere einem Diplom-Meteorologen eigentlich nicht unterlaufen sollten.
Mit dem „Climate Change 2021: The Physical Science Basis“, veröffentlicht am 9. August 2021 von der „Working Group I“ (WGI) als Beitrag zum „Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change“ (AR6), wurde dieser Unsinn von der Strahlungsfalle wieder einmal (wenn auch heimlich, still und leise) beerdigt, also inzwischen mindestens zum dritten mal. Ersetzt wurde sie durch die angebliche Strahlungsbremse, die allerdings weiterhin als „Treibhauseffekt“ bezeichnet wird. Damit existiert auch das Problem mit dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik nicht mehr, über das sich der Meteorologe Karsten Schwanke in seinem Video noch lustig gemacht hatte.
Die für die Bundesrepublik Deutschland rechtlich verbindliche Definition des Treibhauseffektes erfolgte allerdings wenige Monate vor Veröffentlichung des WGI zum AR6, am 24. März 2021, durch den Beschluss des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichtes (1 BvR 2656/18), wobei das Gericht eine eigene Synthese aus mehreren Quellen erstellt, bei denen es sich vor allem um Sekundärquellen handelt.
Erstaunlich ist dabei nicht nur, welche Literaturmengen die fachfremden Richter hierfür durchforstet haben müssen, sondern auch, dass bei dieser Synthese z.B. die vom IPCC verwendeten Unsicherheitsformulierungen in Tatsachenbehauptungen umgewandelt wurden:
„Die derzeit beobachtete, im klimageschichtlichen Vergleich stark beschleunigte Erwärmung der Erde beruht nach nahezu einhelliger wissenschaftlicher Ansicht im Wesentlichen auf der durch anthropogene Emissionen hervorgerufenen Veränderung des Stoffhaushaltes der Atmosphäre; dabei wird der Anstieg der CO2-Konzentration besonders hervorgehoben (IPCC, 5. Sachstandsbericht, Klimaänderung 2013, Naturwissenschaftliche Grundlagen, Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger, 2016, S. 11; UBA, Klima und Treibhauseffekt, 2020, S. 2 f.³⁾). Die atmosphärische CO2-Konzentration ist im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um 40 % angestiegen, primär durch die Emissionen aus fossilen Brennstoffen und sekundär durch Abholzungen und andere Landnutzungsänderungen (IPCC, a.a.O., S. 9).
Die maßgeblichen Zusammenhänge lassen sich vereinfacht wie folgt zusammenfassen: Die menschlich verursachte Erhöhung der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre verändert den Strahlungshaushalt der Erde und führt so zur Erderwärmung. Die in der Erdatmosphäre befindlichen Treibhausgase absorbieren die von der Erde abgegebene Wärmestrahlung und strahlen Teile davon zurück zur Erdoberfläche. Die von den Treibhausgasen abgestrahlte Wärmestrahlung kommt so als zusätzliche Wärmestrahlung an der Erdoberfläche an. Zum Ausgleich ankommender und abgehender Wärme strahlt die Erdoberfläche mehr Wärme ab. Hierdurch wird es in der bodennahen Atmosphäre wärmer (IPCC, a.a.O., S. 11 f.; Rahmstorf/Schellnhuber, Der Klimawandel, 9. Aufl. 2019, S. 12 f., 30 ff.; UBA, Klima und Treibhauseffekt, 2020, S. 2). Bis zu welcher Höhe und mit welcher Geschwindigkeit die Temperatur weiter ansteigt, hängt vom Anteil der Treibhausgase in der Atmosphäre und damit maßgeblich vom Umfang der anthropogen emittierten Treibhausgase ab, insbesondere vom CO2-Ausstoß (IPCC, a.a.O., S. 17 f., 26). Denn zwischen der Gesamtmenge an emittierten klimawirksamen Treibhausgasen und dem Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur besteht eine annähernd lineare Beziehung (SRU [Sachverständigenrat für Umweltfragen], Demokratisch regieren in ökologischen Grenzen – Zur Legitimation von Umweltpolitik, Sondergutachten, 2019, S. 36). Ohne zusätzliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels gilt derzeit ein globaler Temperaturanstieg um mehr als 3 °C bis zum Jahr 2100 als wahrscheinlich (BMU, Klimaschutz in Zahlen, Ausgabe 2019, S. 6 f.).“
Wenn das Gericht also doch hin und wieder auf den IPCC als Quelle verweist, verwendet es nicht den eigentlichen Report, sondern die davon deutlich abweichende (und nicht vom IPCC selbst erstellte) Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger.⁴⁾
Das höchste deutsche Gericht hat damit also physikalischen Unsinn nicht nur zur verbindlichen Grundlage der untergeordneten Rechtsprechung und der Verwaltung, sondern insbesondere auch zur Grundlage der Gesetzgebung gemacht. Mit dem am 28. Dezember 2024 in Kraft getretenen „Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes (Artikel 93 und 94)“ wurde dem Bundesverfassungsgericht in Artikel 94 Absatz 4 des Grundgesetzes die entsprechende Macht über die Judikative, Exekutive und Legislative eingeräumt:
„Die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts binden die Verfassungsorgane des Bundes und der Länder sowie alle Gerichte und Behörden. Ein Bundesgesetz bestimmt, in welchen Fällen seine Entscheidungen Gesetzeskraft haben.“
Die Gewaltenteilung wurde damit allerdings nicht abgeschafft, da diese nie im Grundgesetz enthalten war. Denn in Artikel 20 Absatz 2 des Grundgesetzes wird lediglich festgelegt, dass „besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung“ existieren, jedoch nicht, dass diese voneinander getrennt sein müssen.
Galileo Galilei wurde 1633 von der Römischen Inquisition nicht deswegen verurteuilt, weil er mit dem heliozentrische Weltbild, nach dem die Erde die Sonne umkreist, etwas falsches behauptete. Er wurde verurteilt, weil er damit der „herrschenden“ Meinung (im tatsächlichen Wortsinn) widersprach. Er wurde dazu gezwungen, dieser Ansicht abzuschwören und verbrachte den Rest seines Lebens unter strengem Hausarrest. Erst im Jahr 1992 wurde er von der katholischen Kirche offiziell rehabilitiert. Es bleibt abzuwarten, wann die deutsche Gerichtsbarkeit so weit ist, ihren Fehler einzugestehen und ebenfalls zu korrigieren.
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