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Was ist Wikipedia?Wie sich Wikipedia selbst definiert, kann man in den Grundprinzipien nachlesen. Diese lauten:
Das war’s. Insbesondere einen echten Qualitätsanspruch hat Wikipedia (im Gegensatz zu dessen Vorgänger Nupedia) nicht. Freie InhalteFreie MitarbeitUrsprünglich bedeutete „Freie Ezyklopädie“ einmal, dass nicht nur der Zugriff auf die Informationen uneingeschränkt und kostenlos ist, sondern dass jedermann jederzeit Änderungen und Korrekturen an bestehenden Artikeln vornehmen und neue Artikel anlegen kann. Im oben verlinkten Artikel bei Wikipedia wird das so beschrieben:
Bei der deutschsprachigen Wikipedia gilt dies aber längst nicht mehr. Hier gilt stattdessen die Regel aus George Orwells „Farm der Tiere“: „Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als andere.“ Die Hierarchie vom deutschsprachigen Wikipedia kann man in etwa so beschreiben:
Dabei beinhalten höhere Stufen in der Regel auch die Rechte der niedrigeren Stufen. Beim deutschsprachigen Wikipedia muss (im Gegensatz zu allen anderen Sprachvarianten) jede Änderung an einem Artikel, welche durch eine Person erfolgt, die nicht mindestens „passiver Sichter“ ist, durch einen Zensor (ein Benutzer ab dem Rang „aktiver Sichter“) freigeschaltet werden, damit diese Änderung auch im Artikel sichtbar wird. Selbstverständlich steht es so einem Zensor auch frei, diese Änderung stattdessen aus beliebigem Grund abzulehnen (genannt: „Revert“). Von Wikipedia wird das so formuliert:
Der Zensor muss also ausdrücklich über keinerlei Fachkenntnis zum entsprechenden Thema verfügen. Er handelt ausschließlich aufgrund der Macht, die ihm durch Wikipedia über andere verliehen wurde. Wikipedia bezeichnet diesen Vorgang aber nicht als Zensur, sondern:
Da ein Zensor seine Handlung aber nicht rechtfertigen muss, ist diese Aussage nicht mehr als ein frommer Wunsch. Selbst eine Begründung („Bearbeitungskommentar“ in der Zusammenfassungszeile) durch den Zensor ist zwar vorgesehen, aber nicht zwingend erforderlich. Selbst wenn ein Grund angegeben wird, handelt es sich in der Regel lediglich um nichtssagende Schlagwörter wie „Vandalismus“, „Unbelegt“, „POV“ („point of view“, also: persönliche Meinung) oder „Theoriefindung“ (Aussagen aus einer Quelle, die der Zensor nicht als seriös einstuft). Darüber hinaus werden Zensoren auch nicht für ihre Aufgabe geschult. Es existiert zwar eine Seite mit Tipps für Zensoren, diese ist aber weder offiziell noch verbindlich und vor allem werden neue Zensoren nicht aktiv auf diese hingewiesen. Faktisch geht man bei Wikipedia also davon aus, dass neue Zensoren ihre Aufgabe aus der eigenen Erfahrung mit Zensoren lernen. Dass sich auf diese Weise insbesondere der längst bekannte Missbrauch der Machtposition fortpflanzt wird entweder geduldet oder ist sogar gewollt, aktiv dagegen unternommen wird jedenfalls nichts. Entsprechede Versuche von Idealisten verlaufen im Sand (teilweise auch, weil sich diese Idealisten entnervt aus Wikipedia zurückziehen). Während es zum Erklimmen der untersten Stufen der Gleicheren genügt, erfolgreich einige Änderungen (und sei es nur Kleinigkeiten wie Korrekturen von Schreibfehlern) an Artikel vorgenommen zu haben (aber: „In Einzelfällen kann es durch unbekannte technische Fehler dazu kommen, dass trotz Erfüllung aller Kriterien keine automatische Vergabe erfolgt.“), ist für die höheren Stufen der Hierarchieleiter das intensive Netzwerken innerhalb der bestehenden Struktur unerlässlich. Denn in diese Positionen gelangt man durch die Wahl von anderen stimmberechtigten Benutzern. Die direkte Kontaktaufnahme mit den Stimmberechtigten ist schon deshalb nicht möglich, weil diese (im Gegensatz zu allen anderen Hierarchiestufen-Mitgliedern) nicht veröffentlicht werden. Auch eine Art Wahlkampf ist technisch nicht vorgesehen. Für eine solche Wahl ist die Mitgliedschaft bei Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V. hilfreich, weil es die einfache Möglichkeit ist, einem bereits bestehenden Wikipedia-Netzwerk beizutreten. KostenfreiheitDie Aussage, dass die Nutzung der Artikel kostenfrei ist, gilt nur bedingt. Im Rahmen der jährlich (um die Weihnachtszeit) stattfindenden „Spendenkampagne“ wird allen Nutzern durch eine entsprechende Einblendung deutlich gemacht, dass sie zwar rein technisch Wikipedia auch ohne Bezahlung nutzen können, faktisch aber eine moralische Verpflichtung besteht, diese Nutzung durch eine entsprechende Spende zu rechtfertigen. Diese Spende landet aber nicht bei den Betreibern und Entwicklern von Wikipedia (bzw. der Beklagten, wenn es um Rechtsstreitigkeiten über den Inhalt von Wikipedia geht), also der Wikimedia Foundation Inc. Sie landet auch nicht bei der Gemeinnützige Wikimedia Fördergesellschaft mbH (Amtsgericht Charlottenburg, HRB 130183 B), deren Zweck laut Satzung „die Beschaffung von Mitteln für die steuerbegünstigten Zwecke anderer Körperschaften, namentlich des Wikimedia Deutschland e.V. und der Wikimedia Foundation Inc. mit Sitz in den USA“ ist. Stattdessen landet die Spende bei Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V. (Amtsgericht Charlottenburg, VR 23855 B), welche aber laut eigener Aussage nichts mit dem Betrieb und der technischen Entwicklung von Wikipedia zu tun hat. Dies wird zudem vom Urteil des Landgerichts (LG) Berlin vom 31. Mai 2016 (Az. 15 O 428/15) bestätigt:
All dies verwundert aber höchstens Verschwörungstheoretiker. Genauso wie der Fakt, dass ein ehrenamtlich betriebener Verein laut Wirtschaftsplan für das Jahr 2026 von Personalkosten in Höhe von 13.620.684 € ausgeht, verteilt auf 183,8 „Vollzeitäquivalente“ „(inkl. Werkstudierende; ohne Praktikant*innen)“, also im Mittel solze 74.106 € pro „Vollzeitäquivalent“ und Jahr. Die 2.512.615 €, die zusätzlich für den „Vorstandsbereich“ vorgesehen sind, sind dagegen selbstverständlich eine gut angelegte Investition. NutzungsfreiheitWie die freie Nutzung der bei Wikipedia veröffentlichten Materialien (insbesondere Grafiken, Fotos usw.) konkret gemeint ist, haben in zahlreichen Fällen die entsprechenden Nutzer durch Abmahnschreiben von Anwälten der jeweiligen Urheber lernen dürfen. Das kommt so häufig vor, dass es bei Wikipedia längst einen Artikel zu diesem Thema gibt, durch den man hilfreiche Tipps erhält wie: „Du kannst auch eine Rechtsschutzversicherung abschließen. Bei den meisten Versicherungen ist für Urheberrechtsverstöße jedoch eine gesonderte Police erforderlich.“ (Dass eine Rechtsschutzversicherung bei fehlender Erfolgsaussicht nicht zahlt und bei einer Verurteilung auch nicht die Strafe bzw. den Schadenersatz trägt, muss man ja nicht erwähnen.) Weshalb dieser Artikel nicht das oben unter „Kostenfreiheit“ erwähnte Urteil thematisiert, mit dessen Beschwerdeverfahren die Wikipedia Foundation Inc. anschließend sowohl beim Kammergericht (KG) Berlin (Entscheidung vom 8. November 2017 – 24 U 125/16) als auch beim Bundesgerichtshof (BGH) gescheitert ist (Beschluss vom 12. Februar 2019 – I ZR 189/17), bleibt eines der vielen Rätsel rund um Wikipedia. NeutralitätÜber die gesamte Hirarchie hinweg gibt es weder qualitative noch personelle Kontrollen. Wer da mit welcher Absicht wo aktiv ist, weiß also letztlich niemand, nicht zuletzt da diese Akteure sich in aller Regel hinter Pseudonymen verstecken (die selbstverständlich auch wie reale Namen aussehen können), einzige Ausnahme: Die Oversighter müssen ihre Identität nachweisen, allerdings nur gegenüber der Wikimedia Foundation Inc. Oder wie es bei Wikipedia ausgedrückt wird:
Da einerseits diese Gleicheren faktisch über Narrenfreiheit verfügen (die „Selbstkontrolle durch die Community“ funktioniert zwar von oben nach unten, aber faktisch nicht umgekehrt), andererseits Rudelbildung von Vorteil ist, ist es mit der Neutralität von Wikipedia offenkundig auch nicht weit her. Wobei Diskussionen von Gleichen, die auf eine Korrektur von Falschaussagen besonders nachdrücklich bestehen, gerne von den Gleicheren durch die Sperrung ihres Wikipedia-Autorenzugangs beendet werden, gegebenenfalls auch auf Lebenszeit. Falls ein Gleicher ohne Autoren-Zugang nicht einsehen will, wer bei Wikipedia am längeren Hebel sitzt, wird stattdessen die Schreibberechtigung für seine IP-Adresse gesperrt, oder auch für ganze IP-Adressbereiche. Die Einhaltung der von Wikipedia für eine Sperre aufgestellten Regeln ist zumindest für die besonders Gleicheren¹⁾ offenkundig nicht notwendig, bei allen anderen Gleicheren bewährt sich die bereits erwähnte Rudelbildung. Irgend eine Stelle, an die sich in diesem Fall ein Gleicher wenden könnte, gibt es nicht, oder wie es Wikipedia selbst beschreibt: „es gibt keinen Chefredakteur oder eine vergleichbare Instanz“. Faktisch gilt bei Wikipedia also: der Stärkere hat Recht. Keine persönlichen AngriffeWas die untersagten persönlichen Angriffe angeht, genügt ein kurzer Blick in die meisten Dikussionsbereiche zu den einzelnen Artikeln. Dass sich beim Vergreifen im Ton insbesondere auch die Gleicheren hervor tun, zeigen die nahezu unzähligen Fälle, in denen die Diskussion nach (erfolglosen) rüden Beschimpfungen, von dem Beschimpfenden durch Sperre des Beschimpften beendet wird. Wikipedia ist eine EnzyklopädieHierzu hat das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart in seinem Urteil vom 25. Oktober 2018 (Az. 2 U 34/18) ausgeführt:
Fun FactWer an dieser Stelle angelangt ist, indem er diese Seite gelesen hat, und dennoch z. B. auf die Richtigkeit der Lizenzangaben bei Wikipedia/Wikimedia vertraut, handelt sehr wahrscheinlich mit bedingtem Vorsatz. Denn wer eine Quelle nutzt, von der er weiß, dass sie (laut Rechtsprechung) nicht verlässlich ist, nimmt die Rechtsverletzung billigend in Kauf. Wer diese Seite nicht gelesen hat, kommt aber in der Regel auch nicht ungeschoren davon, denn: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ (oder für Akademiker und Singles mit Niveau: „ignorantia legis non excusat“). |
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