Was ist Wikipedia?

Wie sich Wikipedia selbst definiert, kann man in den Grundprinzipien nachlesen. Diese lauten:

  • Freie Inhalte
  • Neutralität
  • Keine persönlichen Angriffe
  • Wikipedia ist eine Enzyklopädie

Das war’s. Insbesondere einen echten Qualitätsanspruch hat Wikipedia (im Gegensatz zu dessen Vorgänger Nupedia) nicht.

Freie Inhalte

Freie Mitarbeit

Ursprünglich bedeutete „Freie Ezyklopädie“ einmal, dass nicht nur der Zugriff auf die Informationen uneingeschränkt und kostenlos ist, sondern dass jedermann jederzeit Änderungen und Korrekturen an bestehenden Artikeln vornehmen und neue Artikel anlegen kann. Im oben verlinkten Artikel bei Wikipedia wird das so beschrieben:

„Wer sorgt für die Einhaltung dieser Richtlinien?

Du bist ein Wikipedia-Autor, es gibt keinen Chefredakteur oder eine vergleichbare Instanz. Aktive Mitglieder schauen sich die letzten Änderungen an und korrigieren Inhalt und Format. Jeder Teilnehmer ist gleichzeitig Autor und Redakteur.“

Bei der deutschsprachigen Wikipedia gilt dies aber längst nicht mehr. Hier gilt stattdessen die Regel aus George Orwells Farm der Tiere: „Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als andere.“

Die Hierarchie vom deutschsprachigen Wikipedia kann man in etwa so beschreiben:

  1. Unangemeldete Benutzer (IP-Nutzer): Nutzer ohne Konto bei Wikipedia.
  2. Angemeldete Benutzer (Anzahl: 5.054.035): Nutzer mit einem Konto bei Wikipedia.
  3. Aktive Benutzer (Anzahl: 38.581): Registrierte Benutzer, die während der vergangenen 30 Tage mindestens eine Aktivität (z. B. Bearbeitung eines Artikels, Beitrag zu einer Diskussion, Änderungen am eigenen Benutzerprofil) vorgenommen haben.
  4. Passive Sichter (Anzahl: 47.995): Registrierte Benutzer, deren Konto mindestens 30 Tage alt ist und die über einen beliebigen Zeitraum mindestens 150 Aktivitäten vorgenommen haben.
  5. Aktive Sichter (Anzahl: 22.880): Registrierte Benutzer, deren Konto mindestens 60 Tage alt ist und die über einen beliebigen Zeitraum mindestens 300 Aktivitäten vorgenommen haben.
  6. Allgemein Stimmberechtigte (Anzahl: 4588): Registrierte Benutzer, deren Konto mindestens zwei Monate alt ist und die mindestens 200 Aktivitäten vorgenommen haben, davon mindestens 50 in den letzten 12 Monaten.
  7. Administratoren (Anzahl: 162): Allgemein Stimmberechtigte, die durch eine unter Allgemein Stimmberechtigten durchgeführte Wahl bestimmt werden. (Bei der Community von Wikipedia handelt es sich also um eine Aristokratie.) Die knallharte Regelung hierzu lautet:

    „Damit ein Kandidat zum Administrator ernannt werden kann, sollen innerhalb des regulären Zeitraums mindestens 50 Benutzer mit Pro abgestimmt haben, wobei mindestens zwei Drittel der insgesamt abgegebenen Stimmen Pro-Stimmen sein sollen. Enthaltungen zählen dabei nicht als abgegebene Stimmen.“

    Im Klartext: Es sollen mindestens 50 Pro-Stimmen sein, müssen aber nicht, und das sollen zudem zwei Drittel der abgegebenen, gültigen Stimmen sein, müssen aber nicht. Wörtlich genommen steht da: Er kann selbst dann zum Administrator ernannt werden, wenn er gar keine Pro-Stimmen erhält. Ein Quorum existiert nicht, deshalb genügten z. B. im Oktober 2025 145 Pro-Stimmen bei 67 Contra-Stimmen für eine Neuwahl zum Administrator. Die Wahlbeteiligung betrug also lediglich ca. 4,6 %. Irgendwelche besonderen Fähigkeiten oder Fertigkeiten dieses Administrators gehen aus seiner Bewerbung nicht hervor. Beispiel-Kommentar aus dem Lager der Contra-Stimmen:

    „Das Vorschussvertrauen, welches hier einem Kandidaten zuteil wird, der sich bisher kaum einbrachte und ankündigt auch in Zukunft wenig tun zu wollen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Aber anscheinend sind das die Administratoren, die sich Wikipedia wünscht.“

  8. Bürokraten (Anzahl: 4) und Oversighter (Anzahl: 5): Werden durch Community-Wahl bestimmt. Dies sind Administratoren mit zusätzlichen Rechten. Bürokraten können z. B. Benutzer zu Administratoren machen, während Oversighter z. B. Änderungen vor der Anzeige in der Historie verbergen können.

Dabei beinhalten höhere Stufen in der Regel auch die Rechte der niedrigeren Stufen.

Beim deutschsprachigen Wikipedia muss (im Gegensatz zu allen anderen Sprachvarianten) jede Änderung an einem Artikel, welche durch eine Person erfolgt, die nicht mindestens „passiver Sichter“ ist, durch einen Zensor (ein Benutzer ab dem Rang „aktiver Sichter“) freigeschaltet werden, damit diese Änderung auch im Artikel sichtbar wird. Selbstverständlich steht es so einem Zensor auch frei, diese Änderung stattdessen aus beliebigem Grund abzulehnen (genannt: „Revert“). Von Wikipedia wird das so formuliert:

„Sichtung bedeutet nicht, dass ein Sichter die Änderungen im Detail überprüft, es sagt auch nichts über die Qualität der Artikelinhalte aus und bietet keine Garantie für einen korrekten Inhalt.“

Der Zensor muss also ausdrücklich über keinerlei Fachkenntnis zum entsprechenden Thema verfügen. Er handelt ausschließlich aufgrund der Macht, die ihm durch Wikipedia über andere verliehen wurde. Wikipedia bezeichnet diesen Vorgang aber nicht als Zensur, sondern:

„Es geht beim Sichten darum, eine vorsätzliche Schädigung der Artikel zu verhindern, beispielsweise durch die grundlose Entfernung belegter Angaben oder das Hinzufügen von Inhalten aus unseriösen Quellen. Daher ist es wichtig, in der Zusammenfassungszeile oder direkt im Artikeltext anzugeben, woher du deine Informationen bezogen hast.“

Da ein Zensor seine Handlung aber nicht rechtfertigen muss, ist diese Aussage nicht mehr als ein frommer Wunsch. Selbst eine Begründung („Bearbeitungskommentar“ in der Zusammenfassungszeile) durch den Zensor ist zwar vorgesehen, aber nicht zwingend erforderlich. Selbst wenn ein Grund angegeben wird, handelt es sich in der Regel lediglich um nichtssagende Schlagwörter wie „Vandalismus“, „Unbelegt“, „POV“ („point of view“, also: persönliche Meinung) oder „Theoriefindung“ (Aussagen aus einer Quelle, die der Zensor nicht als seriös einstuft). Darüber hinaus werden Zensoren auch nicht für ihre Aufgabe geschult. Es existiert zwar eine Seite mit Tipps für Zensoren, diese ist aber weder offiziell noch verbindlich und vor allem werden neue Zensoren nicht aktiv auf diese hingewiesen. Faktisch geht man bei Wikipedia also davon aus, dass neue Zensoren ihre Aufgabe aus der eigenen Erfahrung mit Zensoren lernen. Dass sich auf diese Weise insbesondere der längst bekannte Missbrauch der Machtposition fortpflanzt wird entweder geduldet oder ist sogar gewollt, aktiv dagegen unternommen wird jedenfalls nichts. Entsprechede Versuche von Idealisten verlaufen im Sand (teilweise auch, weil sich diese Idealisten entnervt aus Wikipedia zurückziehen).

Während es zum Erklimmen der untersten Stufen der Gleicheren genügt, erfolgreich einige Änderungen (und sei es nur Kleinigkeiten wie Korrekturen von Schreibfehlern) an Artikel vorgenommen zu haben (aber: „In Einzelfällen kann es durch unbekannte technische Fehler dazu kommen, dass trotz Erfüllung aller Kriterien keine automatische Vergabe erfolgt.“), ist für die höheren Stufen der Hierarchieleiter das intensive Netzwerken innerhalb der bestehenden Struktur unerlässlich. Denn in diese Positionen gelangt man durch die Wahl von anderen stimmberechtigten Benutzern. Die direkte Kontaktaufnahme mit den Stimmberechtigten ist schon deshalb nicht möglich, weil diese (im Gegensatz zu allen anderen Hierarchiestufen-Mitgliedern) nicht veröffentlicht werden. Auch eine Art Wahlkampf ist technisch nicht vorgesehen. Für eine solche Wahl ist die Mitgliedschaft bei Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V. hilfreich, weil es die einfache Möglichkeit ist, einem bereits bestehenden Wikipedia-Netzwerk beizutreten.

Kostenfreiheit

Die Aussage, dass die Nutzung der Artikel kostenfrei ist, gilt nur bedingt. Im Rahmen der jährlich (um die Weihnachtszeit) stattfindenden „Spendenkampagne“ wird allen Nutzern durch eine entsprechende Einblendung deutlich gemacht, dass sie zwar rein technisch Wikipedia auch ohne Bezahlung nutzen können, faktisch aber eine moralische Verpflichtung besteht, diese Nutzung durch eine entsprechende Spende zu rechtfertigen. Diese Spende landet aber nicht bei den Betreibern und Entwicklern von Wikipedia (bzw. der Beklagten, wenn es um Rechtsstreitigkeiten über den Inhalt von Wikipedia geht), also der Wikimedia Foundation Inc. Sie landet auch nicht bei der Gemeinnützige Wikimedia Fördergesellschaft mbH (Amtsgericht Charlottenburg, HRB 130183 B), deren Zweck laut Satzung „die Beschaffung von Mitteln für die steuerbegünstigten Zwecke anderer Körperschaften, namentlich des Wikimedia Deutschland e.V. und der Wikimedia Foundation Inc. mit Sitz in den USA“ ist. Stattdessen landet die Spende bei Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V. (Amtsgericht Charlottenburg, VR 23855 B), welche aber laut eigener Aussage nichts mit dem Betrieb und der technischen Entwicklung von Wikipedia zu tun hat. Dies wird zudem vom Urteil des Landgerichts (LG) Berlin vom 31. Mai 2016 (Az. 15 O 428/15) bestätigt:

„In tatsächlicher Hinsicht bleibt festzuhalten, dass der Beklagte zu 2. [Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V.] nur die Webseite www.wikipedia.de, nicht aber die Webseiten www.wikipedia.org oder die Mediendatenbank Wikimedia Commons betreibt. Die streitgegenständlichen Fotos sind dort nur im Wege des Links auf die Webseiten der Beklagten zu 1. [Wikimedia Foundation Inc.] nach Eingabe eines einschlägigen Suchbegriffs in die Suchmaske aufzurufen.

Der Beklagte zu 2. hat die streitgegenständlichen Fotos nicht selbst eingestellt und er ist nicht an dem Einstellen der Fotos auf den Webseiten der Beklagten zu 1. durch diese oder durch Dritte beteiligt gewesen, sondern diese sind für ihn ein beliebiger Inhalt von Wikipedia.

Der Beklagte zu 2. haftet auch nicht als Störer.

Als Störer haftet derjenige, der – ohne selbst Verletzer zu sein – in irgendeiner Weise willentlich oder adäquat kausal an der rechtswidrigen Beeinträchtigung mitgewirkt hat, sofern es ihm rechtlich und tatsächlich möglich sowie zumutbar ist, die unmittelbare Rechtsverletzung zu unterbinden bzw. zu verhindern (Dreier/ Schulze, UrhG, 4. Auflage, § 97, Rdnr. 33 m. w. N.). Die Beurteilung, ob und inwieweit eine Prüfung zuzumuten war oder ist, richtet sich nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalls, wobei die Funktion und die Aufgabenstellung des als Störer in Anspruch Genommenen sowie die Eigenverantwortung desjenigen, der die rechtswidrige Beeinträchtigung selbst unmittelbar vorgenommen hat oder vornimmt, zu berücksichtigen sind.

[…]

Die Ansicht der Klägerin, der Beklagte zu 2. hafte jedenfalls als Störer oder gar Teilnehmer, weil er kein beliebiger Dritter, sondern der satzungsgemäße Förderar der Beklagten zu 1. in Deutschland ist, so dass beide Beklagten bewusst und gewollt zusammenwirken und dazu eine ‚Konstruktion‘ gewählt hätten, um sich rechtsmissbräuchlich der Haftung zu entziehen, ist nicht zu folgen. Entscheidend ist, ob der Beklagte zu 2. den Inhalt von Wikipedia oder Wikimedia Commons beeinflussen kann, sei es bei der Aufnahme bestimmter Artikel oder Fotos oder bei deren Löschung. Das ist unstreitig nicht der Fall. Worin die Klägerin eine ‚Konstruktion‘ sieht und warum diese dem Haftungsentzug dienen könnte, ist nicht erkennbar. Insbesondere ist nicht etwa der Beklagte zu 2. der ‚wahre‘ Betreiber von Wikipedia / Wikimedia Commons und die Beklagte zu 1. nur als formal Haftende vorgeschoben.“

All dies verwundert aber höchstens Verschwörungstheoretiker. Genauso wie der Fakt, dass ein ehrenamtlich betriebener Verein laut Wirtschaftsplan für das Jahr 2026 von Personalkosten in Höhe von 13.620.684 € ausgeht, verteilt auf 183,8 „Vollzeitäquivalente“ „(inkl. Werkstudierende; ohne Praktikant*innen)“, also im Mittel solze 74.106 € pro „Vollzeitäquivalent“ und Jahr. Die 2.512.615 €, die zusätzlich für den „Vorstandsbereich“ vorgesehen sind, sind dagegen selbstverständlich eine gut angelegte Investition.

Nutzungsfreiheit

Wie die freie Nutzung der bei Wikipedia veröffentlichten Materialien (insbesondere Grafiken, Fotos usw.) konkret gemeint ist, haben in zahlreichen Fällen die entsprechenden Nutzer durch Abmahnschreiben von Anwälten der jeweiligen Urheber lernen dürfen. Das kommt so häufig vor, dass es bei Wikipedia längst einen Artikel zu diesem Thema gibt, durch den man hilfreiche Tipps erhält wie: „Du kannst auch eine Rechtsschutzversicherung abschließen. Bei den meisten Versicherungen ist für Urheberrechtsverstöße jedoch eine gesonderte Police erforderlich.“ (Dass eine Rechtsschutzversicherung bei fehlender Erfolgsaussicht nicht zahlt und bei einer Verurteilung auch nicht die Strafe bzw. den Schadenersatz trägt, muss man ja nicht erwähnen.) Weshalb dieser Artikel nicht das oben unter „Kostenfreiheit“ erwähnte Urteil thematisiert, mit dessen Beschwerdeverfahren die Wikipedia Foundation Inc. anschließend sowohl beim Kammergericht (KG) Berlin (Entscheidung vom 8. November 2017 – 24 U 125/16) als auch beim Bundesgerichtshof (BGH) gescheitert ist (Beschluss vom 12. Februar 2019 – I ZR 189/17), bleibt eines der vielen Rätsel rund um Wikipedia.

Neutralität

Über die gesamte Hirarchie hinweg gibt es weder qualitative noch personelle Kontrollen. Wer da mit welcher Absicht wo aktiv ist, weiß also letztlich niemand, nicht zuletzt da diese Akteure sich in aller Regel hinter Pseudonymen verstecken (die selbstverständlich auch wie reale Namen aussehen können), einzige Ausnahme: Die Oversighter müssen ihre Identität nachweisen, allerdings nur gegenüber der Wikimedia Foundation Inc. Oder wie es bei Wikipedia ausgedrückt wird:

„Von Adminkandidaten wird erwartet, dass sie gewisse ‚Selbstverständlichkeiten‘ bei der Arbeit in diesem Wiki beachten. Es gibt keine verbindliche Liste von Selbstverständlichkeiten, aber es gibt einige persönliche Stichpunkte von [Benutzer] Bdk dazu.“

Da einerseits diese Gleicheren faktisch über Narrenfreiheit verfügen (die „Selbstkontrolle durch die Community“ funktioniert zwar von oben nach unten, aber faktisch nicht umgekehrt), andererseits Rudelbildung von Vorteil ist, ist es mit der Neutralität von Wikipedia offenkundig auch nicht weit her. Wobei Diskussionen von Gleichen, die auf eine Korrektur von Falschaussagen besonders nachdrücklich bestehen, gerne von den Gleicheren durch die Sperrung ihres Wikipedia-Autorenzugangs beendet werden, gegebenenfalls auch auf Lebenszeit. Falls ein Gleicher ohne Autoren-Zugang nicht einsehen will, wer bei Wikipedia am längeren Hebel sitzt, wird stattdessen die Schreibberechtigung für seine IP-Adresse gesperrt, oder auch für ganze IP-Adressbereiche. Die Einhaltung der von Wikipedia für eine Sperre aufgestellten Regeln ist zumindest für die besonders Gleicheren¹⁾ offenkundig nicht notwendig, bei allen anderen Gleicheren bewährt sich die bereits erwähnte Rudelbildung. Irgend eine Stelle, an die sich in diesem Fall ein Gleicher wenden könnte, gibt es nicht, oder wie es Wikipedia selbst beschreibt: „es gibt keinen Chefredakteur oder eine vergleichbare Instanz“. Faktisch gilt bei Wikipedia also: der Stärkere hat Recht.

Keine persönlichen Angriffe

Was die untersagten persönlichen Angriffe angeht, genügt ein kurzer Blick in die meisten Dikussionsbereiche zu den einzelnen Artikeln. Dass sich beim Vergreifen im Ton insbesondere auch die Gleicheren hervor tun, zeigen die nahezu unzähligen Fälle, in denen die Diskussion nach (erfolglosen) rüden Beschimpfungen, von dem Beschimpfenden durch Sperre des Beschimpften beendet wird.

Wikipedia ist eine Enzyklopädie

Hierzu hat das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart in seinem Urteil vom 25. Oktober 2018 (Az. 2 U 34/18) ausgeführt:

„Der Verbraucher entwickelt aus der Aussage, eine Ware sei ‚schadstofffrei‘ die Auffassung, sie enthalte keinerlei Schadstoffe. Dabei kommt es auf die von der Verfügungsbeklagten aufgeworfenen Fragen zur Definition des Begriffs ‚Schadstoff‘ nicht an und auch nicht darauf, dass die Beklagte sich hierzu auf Artikel in ‚Wikipedia‘ bezieht. Dieser Quelle kommt kein tragender Beweiswert zu, da ihre Inhalte ohne Nachweis einer Sachkompetenz erstellt werden können und nicht objektiv und fachkundig überprüft werden. Das System einer Kontrolle durch die ‚Community‘ kann insbesondere dazu führen, dass inhaltlich zutreffende Ausführungen nicht veröffentlicht werden, da sich dagegen in der Sache unberechtigter Widerspruch erhebt, der durchaus auch sachfremd motiviert sein kann; ebenso kann es die Korrektur oder die Löschung falscher Inhalte verhindern. Außerdem besteht latent die Gefahr, dass wesentliche Aspekte in einen Wikipedia-Artikel nicht eingebracht sind, weil sie den Verfassern unbekannt sind.“

Fun Fact

Wer an dieser Stelle angelangt ist, indem er diese Seite gelesen hat, und dennoch z. B. auf die Richtigkeit der Lizenzangaben bei Wikipedia/Wikimedia vertraut, handelt sehr wahrscheinlich mit bedingtem Vorsatz. Denn wer eine Quelle nutzt, von der er weiß, dass sie (laut Rechtsprechung) nicht verlässlich ist, nimmt die Rechtsverletzung billigend in Kauf. Wer diese Seite nicht gelesen hat, kommt aber in der Regel auch nicht ungeschoren davon, denn: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ (oder für Akademiker und Singles mit Niveau: „ignorantia legis non excusat“).


¹⁾   Besonders herausragend ist hierbei der Benutzer Seewolf, welcher es im Zeitraum vom 22.11.2006 bis 21.03.2026 immerhin auf 815083 Aktionen im Zusammenhang mit Benutzerblockaden brachte, also im Durchschnitt 115 pro Tag. Hinter diesem Benutzernamen steckt Harald Krichel, von 2009 bis 2011 und 2014 bis 2020 Beisitzer von Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V. Im Januar 2026 wurde er von tagesschau.de offenkundig zurecht als ‚Türsteher‘ der Deutschen Wikipedia“ bezeichnet. In diesem Artikel erläutert Herr Krichel auch, was er unter Faktenchek versteht:
‚Bestimmte Floskeln kommen immer wieder vor‘, sagt Krichel, ‚Zum Beispiel, wenn eine Bewertung nicht einem Medium zugeordnet wird, sondern einfach dort steht: „Medien beurteilen den Film als ausgewogen und gut recherchiert“. Dann bin ich mir ganz sicher, dass das kein Mensch formuliert hat.‘ In den vergangenen Monaten hat er mehrere hunderte [sic] Fake-Artikel gelöscht.“
Die Regel, auf die sich „Seewolf“ Mitte Januar 2026 beruft und die er zu diesem Zeitpunkt schon „in den vergangenen Monaten“ umsetzte (genauer: seit dem 15. Mai 2024), wurde allerdings erst am 15. Februar 2026 beschlossen. Als Contra-Argument wurde dabei genannt: „Es fehlen allgemein akzeptierte Erkennungsmerkmale mit ausreichender Beweiskraft“. Faktisch handelt es sich also um noch ein Schlagwort, mit dem unliebsame Themen aus der Wikipedia verbannt werden können, in diesem Fall sogar ohne vorher das Verfahren eines Löchantrags durchlaufen zu müssen (genannt: Schnelllöschung), was aber zumindest der Benutzer „Seewolf“ offensichtlich auch schon vorher so praktiziert hat. Der Vorteil eines gelöschten Artikels besteht dabei insbesondere darin, dass für die Öffentlichkeit (alle Benutzer unterhalb der Stufe Admonistrator) nicht ersichtlich ist, welcher konkrete Inhalt hierbei zensiert wurde.

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